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Geburt, Taufe und Säuglingspflege
Hier nun etwas über die Geburt die Taufe und die Säuglingspflege im Mittelalter von der Seite: http://www.sbg.ac.at/ges/people/janotta/sim/kindheit.html#31


Die Geburt

Kindheit und Gebären war im Mittelalter eng mit dem Marienkult verbunden. Die Darstellung der Jungfrau Maria in ihrer mütterlichen Liebe und Fürsorge zum "Jesuskind" war vermutlich den meisten der mittelalterlichen Menschen bekannt. Die religiöse Ikonographie spiegelte im engen Sinn die idealtypische Vorstellung der Mutterschaft wider.

Für das Cover dieser Arbeit habe ich eine Darstellung der Geburtsszene Marias gewählt. Sie zeigt die Pflege von Kind und Wöchnerin und ist in das soziale Millieu der adeligen Welt verlegt. Mutter, Mägde und Hebammen tragen prunkvolle Brokatgewänder und entsprechen in dieser Weise der Heiligkeit der Situation auch durch ihr Äußeres.

Wie auch aus jener Darstellung ersichtlich ist, war Geburtshilfe alleinige Sache der Frauen. Die Verantwortung für eine reibungslose Geburt oblag der Hebamme. Ärzte, deren Ausbildung das Fach der Geburtshilfe ohnehin nicht mit einschloß, waren ebenso wie der Kindesvater im Geburtsraum nicht erlaubt. Das Risiko einer Geburt war hoch, und Hebammen konnten bei ungünstigem Geburtsverlauf nur schwer helfend eingreifen. In Europa wurden Kaiserschnitte erst nach und nach seit dem 13. Jahrhundert praktiziert und diese Operation durfte auch ausschließlich an toten Frauen vorgenommen werden, um das Kind zu retten.

Auch einfachere Eingriffe wie Dammschnitt, Wehenverstärker oder Geburtszange scheinen weitgehend unbekannt gewesen zu sein. Entsprechend hoch war auch, neben der ohnehin hohen Sterberate der Wöchnerinnen, die der Erstgebärenden.

In Anbetracht dieser hohen Sterblichkeitsziffer erscheint es nicht verwunderlich daß gebärende Frauen, ihre Männer und Verwandten Gott sowie die Jungfrau Maria um Hilfe anflehten und Gelübde bezüglich einer Pilgerreise oder ähnlichem ablegten. Ebenso verbreitet war die Verwendung von Zaubermitteln, Amuletten und Beschwörungsformeln wie zum Beispiel jene: "O Kind, ob lebendig oder tot, komm heraus, denn Christus ruft dich ans Licht."

Der Apotheker und Arzt Eucharius Rößlin verfaßt Ende 15./ Anfang 16. Jahrhundert sein deutsches Werk "Der swangeren Frauwen und Hebammen Rosegarten", in dem er sich an die Betroffenen ohne gelehrte Bildung, Mütter und Hebammen, wendet. Das mit Holzschnitten illustrierte Buch beschäftigt sich mit normalen und abnormen Kindslagen, möglichen Komplikationen bei der Geburt, Fehl- und Frühgeburten, Ratschlägen zum Verhalten der Mutter in den letzten Monaten sowie mit Säuglingspflege.

Ebenso erklärt er die Verwendung des Gebärstuhles, welcher mit Tüchern ausgepolstert sei, damit die Gebärende es bequem habe. Davor sitze die Hebamme um die Geburtsvorgänge zu überprüfen, die Geburtswege zu salben und beruhigend auf die Mutter einzuwirken. Dies soll geschehen durch Streicheln, gutes Zureden und Anbieten von Speise und Trank.

Laut Rößlin soll die Hebamme der werdenden Mutter nicht nur die richtige Atemtechnik beibringen, sondern sie auch mit der "frölichen geburt" eines Knaben trösten. Diese häufig geäußerte Ansicht zur leichteren Geburt eines Knaben geht zum Teil darauf zurück, daß das Geburtsgewicht von Mädchen in der Regel höher ist, zum Teil aber auch auf die oftmals größere Wertschätzung eines Sohnes und Stammhalters zurück.

Diese Einstellung zeigt sich auch im 12. und 13. Jahrhundert bei den Juden. Wenn ein Mädchen geboren wurde, erhielten die Eltern keine Glückwünsche, wenn das Mädchen später starb, kondolierten die Leute nicht, sondern wünschten, ein Junge möge es ersetzen.

War der Fötus allerdings im Mutterleib gestorben deuteten folgende Zeichen darauf hin: fehlende Bewegung im Uterus, eingefallene Augen sowie Gefühllosigkeit in den Lippen und im Rest des Gesichts. In diesem Fall versuchte man eine Austreibung des Fötus mit Kräuterbädern und Einleiten von Dämpfen oder Flüssigkeiten in die Gebärmutter. Zeigte dies alles keine Wirkung, mußte die Hebamme den toten Fötus mit Hilfe eines Spiegels mit einem Haken aus dem Uterus ziehen, wobei die Infektionsgefahr der Mutter groß war.

Stand es so, daß man zwischen dem Leben der Mutter und dem des Neugeborenen wählen mußte, zogen die Hebammen im allgemeinen das Leben der Mutter vor.

Während für wohlhabende Frauen nach der Geburt die Zeit der Besuche und Geschenke hereinbrach, bis sie sich wieder vom Wochenbett erhoben und in einer Zeremonie durch die Kirche geführt wurden, die ihren Zustand der Unreinheit aufhob fand sich der Großteil der Frauen in einer anderen Wirklichkeit wieder: die Mehrzahl aller Wöchnerinnen kehrte kurze Zeit nach der Niederkunft wieder zu ihrer Arbeit zurück!

Die Taufe

Kinder wurden im Mittelalter großteils im Alter von

einer Woche getauft, um sie von der Sünde der Erb-

schuld reinzuwaschen. Weitverbreitet war die Annahme,

daß getaufte Kinder bessere Überlebenschancen hätten

als ungetaufte. Dem Volksglauben nach raubten Feen

neugeborene, ungetaufte, noch namenlose Kinder. Die

Taufe galt als unerläßliche Voraussetzung zur Erlangung

des Seelenheils.

Erhaltene Votivbilder zeigen das Problem, das sich

durch den Tod eines ungetauften Kindes ergeben konnte.

Nottaufen kamen aus diesem Grunde häufig vor, sie

durften auch von den Hebammen vorgenommen werden.

Des öfteren mußten jedoch auch Ermahnungen gegeben

werden, daß diese Nottaufen ausschließlich mit Wasser

vorzunehmen seien, und nicht etwa mit Wein, Milch,

Bier oder ähnlichem.

Im Falle einer Nottaufe sollte die Hebamme den Körperteil des Kindes, der aus dem Geburtskanal hervorragte, mit Wasser besprengen und in jeder beliebigen Sprache den Satz sagen: "Geschöpf Gottes, hiermit taufe ich dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes."

Auch wenn sie die Worte nicht in der richtigen Reihenfolge sprach, galt die Taufe als vollzogen.

In Sorge um die Seele des totgeborenen Kindes existierten in manchen Orten Schreine, in die die Eltern es trugen, damit ein Wunder sie für den Augenblick, da man sie taufte, kurzfristig zum Leben erwecke.

Wußte man bei einem Findelkind nicht, ob es das Sakrament der Taufe bereits erhalten hatte, wiederholte der Priester selbiges. Dabei sprach er: "Wenn du schon getauft bist, taufe ich dich nicht." Normalerweise hängte man einem Findelkind als Zeichen dafür, daß es noch nicht getauft war, ein Säckchen Salz um den Hals.

Ungetaufte tote Kinder flößten den Lebenden Angst ein. Ein alter heidnischer Brauch, nämlich dem Kind einen Pfahl durch das Herz zu bohren, sollte sie daran hindern, wiederzukehren und den Menschen Leid zuzufügen. Die Kirche verurteilte diesen Brauch.

Säuglingspflege


Die Vorschläge, die Ärzte wie zum Beispiel Arnald von Villanova (frühes 14. Jahrhundert) oder Bartholomäus Melthinger (1473) im Mittelalter in ihren Schriften bezüglich Säuglingspflege erteilen, muten erstaunlich "modern" an. Es wird empfohlen, den Säugling

unmittelbar nach seiner Geburt in lauwarmen Wasser zu baden, einerseits mit dem Ziel ihn zu reinigen, andererseits um den Schock abzumildern, den er vom Übergang vom Mutterleib in die Außenwelt erlitten hat, der durch die kalte Luft hervorgerufen werde. Ebenso solle eine Reizüberflutung, vor allem von blendendem Licht, vermieden werden. Das erwies sich nicht als allzu schwierig, da die Beleuchtung im Mittelalter ohnehin meist sehr spärlich war. Warme Bäder werden auch im weiteren Verlauf der Kindheit gerne gesehen, wobei zu beachten ist, daß das Badewasser der Mädchen etwas wärmer sein soll als das der Knaben.

Als weiteres – auch heute wieder gepflogenes - Element möchte ich eine Illustration aus der Zeit des Spätmittelalters erwähnen, die zeigt, daß die Hebamme den Säugling, dessen Nabelschnur noch nicht durchtrennt ist, der Mutter auf den Bauch legt.

Bartolomaeus Anglicus empfiehlt übrigens, den Körper des Kindes mit Rosenwasser und Salz einzureiben, um die Haut zu reinigen. Man glaubte, das Salz schüzte die Gliedmaßen vor Kälte und Hitze, die Haut vor Infektionen. Andere Quellen bevorzugen anstatt des "beißenden Salzes" aber Öl zum Einreiben.


 
   
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