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Völkerwanderung im Harzgebiet
Die Zeit der Völkerwanderung im Harzgebiet

Unter der Geschichtsepoche „Völkerwanderungszeit“ versteht man in Europa die Wanderbewegung der germanischen Völker, die wie im voran gegangenen Abschnitt schon dargelegt mit dem Beginn des 2.Jahrhunderts eingeläutet wurde. Als Völkerwanderungszeit im engeren, wissenschaftlichen Sinne wir der Zeitraum von 375 – 568 bezeichnet.
       

Wie ein Orkan war  im Jahr 375 n. Chr. der Hunnensturm über Europa hereingebrochen. Die Goten im Osten Europas hatten dem asiatischen Steppenvolk mit ihren unendlichen Reiterscharen nichts entgegenzusetzen. Der Hunnensturm, der weite Teile Ost- und Südeuropas in Angst und Schrecken versetzte, erfasste auch die seit 1000 v. Chr. hin- und herwogenden germanischen Stämme. Einige von Ihnen z.B. die Terwingen, aus dehnen sich später die Westgoten entwickeln sollten, suchten Schutz im römischen Reich. Das Römische Reich zog sich zu dieser Zeit jedoch immer weiter zurück. Es hatte zunehmend mit eigenen, innenpolitischen Problemen zu kämpfen. Diese gipfelten im Jahr 395, nach dem Tod Kaiser Theodosius I., in einer Teilung in das west- und oströmische Reich. Diese Teilung sollte nicht wie voran gegangene eine verwaltungstechnische sein. Es war eine politische Teilung, die der endgültige Anfang vom Ende des römischen Reiches sein sollte.

Die von den Hunnen vertriebenen germanischen Völker, allen voran die Goten, lösten auf ihrer Flucht eine Art Kettenreaktion aus. Die Goten hatten unter anderem die Vandalen aus ihren Gebieten zwischen Weichsel und Oder verdrängt. Auf der Flucht zogen die Vandalen um 407/09  durch Gallien und plünderten es aus (daher der bis heute gebräuchliche Spruch “Hausen wie die Vandalen“). Da sie, auf der Iberischen Halbinsel angekommen, von den Westgoten bedrängt wurden, führte sie ihr Weg weiter über die Meerenge von Gibraltar in die römische Provinz Africa. 439 eroberten sie unter ihrem König Geiserich Karthago und begründeten damit das Vandalenreich.

451 konnte der römische Feldherr Flavius Aetius mit Unterstützung der Westgoten und der Burgunden das Hunnische Heer unter Attila in der Schlacht auf den „Katalaunischen Feldern“ besiegen. Attila starb dabei und das Hunnenreich zerfiel.
 

Die einmal in  Gang gekommene Völkerwanderung, die teilweise auch als Verdrängung bezeichnet werden könnte,  war  nicht zu stoppen. Germanische Völker drängten auf der Suche nach Siedlungsland ins Imperium Romanum. Die Römer waren inzwischen reich an Erfahrungen mit den Germanen und wussten deren Tugenden zu schätzen. Sie halfen darum den Neuankömmlingen, z.B. den Westgoten, bei deren Ansiedlung. Diese Taktik der Eingliederung germanischer Völker sollte dem Imperium Romanum aber nicht mehr wirklich helfen. 486 beseitigten die Franken unter ihrem König Chlodwig die verbliebenen Reste des römischen Reiches in Gallien.
 

Das Volk der Franken begann sich ab dem 2.Jahrhundert aus kleineren westgermanischen Stämmen herauszubilden.  Angenommen wird das sich die germanischen Stämme entlang des römischen Limes, unter ihnen die Usipiter, Tenkterer, Sugambrer und Brukterer zu einem großen Stammesverband zusammengeschlossen hat, dass sich selbst Franken (Freien, Kühnen) bezeichnete. In den folgenden Jahren bis 534 besiegten die Franken die Alamannen, Westgoten, und Burgunden und schufen damit ein Großreich, welches sich als langlebigstes der in der Völkerwanderungszeit entstandenen Reiche erweisen sollte.
 

Zum Ausgang der Völkerwanderung nahm das Volk der Thüringer das gesamte Harzgebiet in Besitz. Die Thüringer (lat. Thuringi) waren ein westgermanischer Stamm. Die Etymologie des Namens ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Das Volk der Thüringer tauchte erstmals zum Ende des 4.Jahrhunderts auf. Es stand zu dieser Zeit unter der Herrschaft der Hunnen. Nach deren Abzug, etwa Mitte des 5.Jahrhunderts bildeten die Thüringer ein eigenes Königreich. Der Franke Gregor von Tours, der um 590 seine „fränkische Geschichte“ veröffentlichte, schrieb von Thoringern. Seiner Aussage nach sollen diese linksrheinisch, in Nachbarschaft der Franken gelebt haben. Sicher ist, das die Thüringer zwischen Thüringer Wald, Werra, Harz und Elbe, also im heutigen Mitteldeutschland, ihre Siedlungsgebiete hatten. Es besteht die Vermutung, das die Thüringer aus den Hermunduren hervor gegangen sind.
 

Der Besitz der Thüringer im Harzgebiet war aber nicht von langer Dauer. Schon im 5.Jahrhundert mussten sie sich der Sachsen aus dem Westen und der Franken aus dem Süden erwehren. In die Ebene zwischen Wernigerode und dem Regenstein Verlegt eine alte Sage, welche an die Hühnensteine zwischen Benzingerode und Heimburg anknüpft, die Kampfplätze in diesem Krieg. Nach „Botho“ drängten die Sachsen die Thüringer Anfang des 6.Jahrhunderts bis an die Oker aus ihren bisherigen Siedlungsgebieten. Dann sollen sie einen Vertrag mit den Thüringern gemacht haben, wonach die Oker zukünftig die Grenze beider Völker sein sollte. Aus den späteren Gaunamen im Nordharz können wir ersehen, dass die Sachsen im westlich und die Thüringer im östlich der Oker lebten.
 

Die Sachsen waren Angehörige eines westgermanischen Stammesverbandes, der etwa seit dem 2. Jahrhundert den Nordwesten Deutschlands sowie den Osten der Niederlande besiedelten. Die Herkunft des Namens der Sachsen ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Bekannt ist aus römischen Quellen, das diese seit dem 3.Jahrhundert über sächsische Seeräuber klagen. Im 5.Jahrhundert wandern Teile dieses Stammes nach England aus, was den bis heute gängige Bezeichnung „Angelsachsen“ erklärt. Durch die in mehrere Richtungen erfolgende Ausdehnung des Stammesgebietes kam es in der Folge zu einer Aufspaltung in Teilstämme. Auf dem europäischen Festland wird das Sachsenland in 3 Gaue geteilt:

    *

      Westfalen
    *

      Engern
    *

      Ostfalen

Ostfalen ist de östliche Teil des Sachsenlandes: es umfasst die Region um die Flüsse Aland, Ohre, Saale, Oker, und Bode bis zur Elbe. Also das das Gebiet um Magdeburg, Braunschweig, Hildesheim, Halberstadt einschließlich der gesamten Harzes im Norden und Osten. Mit der Auflösung des Herzogtums Sachsen nach der Achtserklärung Heinrich des Löwen 1180 wurde die Bezeichnung Ostfalen ausgelöscht. Was blieb ist der Gauname.
 

Aber auch zwischen Thüringern und Franken brachen Kämpfe um den Harz aus, der Zündstoff zu diesem Streit hatte sich über lange Zeit gesammelt. Zuvor war der Frankenkönig Chilperich, Sohn des Meroveus, von seinen Franken vertrieben worden. Er hatte über 8 Jahre Zuflucht bei den Thüringern gefunden. 464 soll er in sein Reich zurückgekehrt sein. Zuvor soll er die Gattin des Thüringerkönigs Basinus verführt haben, die Chilperich in sein Reich folgte. Er nahm Basina zur Frau und zeugte mit ihr Chlodwig. Dieses Zeugnis haben wir aus der „Historia Francorum“ von Gregor von Tours (538-594). Der Überlieferung nach sollen daraufhin die Thüringer in Frankenreich eingefallen sein und viel Zerstörung und Greuel angerichtet haben. Nachdem Chlodwig I., zuvor einer von vielen fränkischen Kleinkönigen, die Römer in Gallien geschlagen und vertrieben hatte, begann er 491 einen Feldzug gegen die Thüringer um deren Untaten zu rächen. Dabei zerstörte er das Land und tötete viele Thüringer.
Das Thüringerreich selbst war nachdem König Basinus Tod unter dessen Söhnen Berthar, Baderich und Irmenfried aufgeteilt worden. Das führte zu Familienzwistigkeiten. Zur Beilegung dieser Zwistigkeiten rief König Irmenfried 515 den Sohn des Frankenkönigs Chlodwig, Theodorich zu Hilfe. Die beiden Könige verstritten sich aber. Darauf hin begann Theodorich von Köln aus einen Feldzug gegen Thüringen.
 

Es kam zur Schlacht, in der die Thüringer blutige Verluste erlitten. Die Thüringer zogen sich darauf hin zurück. Der Franke Theodorich errichtete bei Ohrum, unweit von Schladen, eine festes Lager und verbündete sich mit den dort ansässigen Sachsen. Diese Informationen schildert ausführlich Widukind von Corvei. Die Sachsen  belagerten und zerstörten  Irmenfrieds Burg und nahmen den nördlichen Teil des Thüringerreiches bis zum Zusammenfluß von Saale und Unstrut in Besitz, sowie das ganze Gebiet des Späteren Bistums Halberstadt. Die Franken dagegen nahmen das Thüringergebiet östlich der Unstrut in Besitz, das später Ostfranken heißen sollte.
 

In der darauf folgenden Zeit wurden die Sachsen zu den Herrschern über den Harz. Unter den Sachsen durften aber die Thüringer als Unterworfene am Harz in alten Sitzen, besonders östlich der Bode, verbleiben. Da wo im östlichen Harz die Flüsse des Gebirges entweder in Richtung Bode oder aber zur Tira, Beer, Zorge, Wiede oder Ocker abfließen war die Trennung der Besitztümer von Sachsen und Thüringern. Von dem vielverzweigten Volk der Sachsen siedelten sich Stämme der Ostfalen, Engern, Haruden und Friesen am Harz an. Dazu kamen noch zwei fremde Stämme, die Schwaben und die Hofinger, die mit den Sachsen später verschmolzen. Die Engern breiteten sich besonders zwischen den Flüssen Ocker und Innerste aus und dies bis in den Oberharz. Die direkten Nachbarn der Engern waren die Haruden. Dieser Sachsenstamm nahm den Bereich zwischen Ocker und Bode in Besitz, also das spätere Besitztum des Halberstädter Bistums.
 

Aber auch die Wenden scheinen an der Nordseite des Gebirges vereinzelt gesessen zu haben. Denn die Ortsnamen Reddeber, Wendefurth, Heudeber, Minsleben (Mineslav) ,Bersel (Birislaw) und Schauen (Scaun) deuten auf wendischen Ursprung.
 

Etwa 30 Jahre später um das Jahr 568, zogen die Sachsen auf Bitte des Langobarden - Königs Alboin zum Kampf gegen die Römer nach Italien. Mit diesem Auszug aus einigen Harzgebieten geht auch die Völkerwanderungszeit  zu Ende. In die von den Sachsen verlassenen Gebieten werden die Schwaben sesshaft. Es kommt dadurch zur Entstehung des Schwabengaus. Die Sachsen kamen aber enttäuscht aus Italien zurück und wollten Ihr Land von den Schwaben zurück. Da Anfangs keine Einigung zwischen den beiden Völkern erzielt werden konnte kam es zu mehreren Kriegen bis man sich einigte, friedlich nebeneinander zu siedeln. Von der Bode ab, über die Selke, die Wipper bis zur Saale waren von da ab die Schwaben vorherrschend. Aus Ihrem Adelsgeschlecht gingen nach aussage des Sachsenspiegels später die Fürsten von Anhalt sowie die Markgrafen von Brandenburg hervor.
 

Die östlichsten und die südöstlichsten Ausläufer des Harzes  nahmen die Hosingen ein (Hosgowe, Hassengau). Auf der Südostecke des Harzes, zwischen Helme und Wipper, hatten sich die Friesen eingerichtet. Das Land zwischen den Städten Mansfeld, Eisleben, Allstedt und Sangerhausen hieß deshalb Friesenfeld. Auch einige Orte mit den Endungen – werfen wie Ober- und Niedersachswerfen  deuten auf friesische Gründungen hin. Ich möchte hier jetzt keine weiteren Ausführungen zur Toponomastik der Harzregion machen, denn dazu werden weitere Ausführungen bei der mittelalterlichen Geschichte des Harzes folgen.
 

Festgestellt werden kann aber! Zur damaligen Zeit waren die Harzvorlande viel dichter besiedelt als heute. Zwar war die Bevölkerung wesentlich geringer, die Anzahl der Dörfer war aber viel größer als heute. So wurden von Delius allein in der Grafschaft Wernigerode  etwa 21 Dörfer nachgewiesen. Um das uralte Quitlingen (später Quedlinburg) lagen 16 Dörfer, in der Grafschaft Derenburg 6 und in der Grafschaft Mansfeld 16 Wüstungen die gezählt wurden.
 
Diese Völkergrenze entwickelte sich zur Dialektscheide, die  bis heute blieb.
 

Der Harz bildete in dieser Zeit ein Bollwerk, das ein weiteres Vordringen der über Elbe und Saale einflutenden Slaven verhinderte. Auch unter der Herrschaft der Franken, Thüringer und Sachsen blieb der Harz noch lange heidnisch. Daran änderten auch alle Missionsversuche wenig. Es ist zu behaupten, das am und im Harz, länger als in allen anderen deutschen Landen, heidnische, dass heißt germanische Bräuche, Traditionen und Zeremonien, fortlebten. Dieser alte germanische Götterglaube im Harz ist bis ins 7. Jahrhundert, unter dem Thüringer König Dagobert ( 628-638) zu belegen. Sicher haben auch, in all diesen Kämpfen Burganlagen im Harz oder seiner näheren Umgebung eine nicht unbedeutende Rolle gespielt; aber Genaueres wissen wir nicht darüber.
 

Zwei Harzburgen spielen auch in meinen folgenden Darlegungen eine entscheidende Rolle. Ich möchte zu den Darlegungen keine Position beziehen. Das möchte ich dem geschätzten Leser überlassen. Ich möchte nur soviel dazu sagen, das ich vor der akribischen, wissenschaftlich fundierten Arbeit des Autoren Dr. Heinz Ritter-Schaumburg den Hut ziehe. Und solange seine Arbeit nicht wissenschaftlich beweisbar widerlegt werden kann, ist es durchaus möglich, das sich im 5./6.Jahrhundert in unseren Harzer Landen folgendes ereignet hat: Die Geschichte von Siegfried, von Brünhild, von den Nibelungen, von Dietrich von Bern und seinen Rittern ist allgemein bekannt. Jetzt spinnt „Der“ vollkommen werden einige Leser jetzt sicher denken. Was hat denn die Nibelungensaga, deren Geschehen an Rhein und in Burgund angesiedelt ist, mit dem Harz und seiner Geschichte zu tun. Aber folgen sie meinen Ausführungen, die Dr. Ritter-Schaumburg's Buch „Sigfrid ohne Tarnkappe“ entnommen sind und bilden Sie sich Ihr eigenes Urteil.
 

Das Nibelungenlied, wie wir es kennen, ist ein mittelalterliches Heldenepos, dass um 1200 entstanden ist. Es wurde in der damals üblichen Volkssprache Mittelhochdeutsch aufgeschrieben. Historisch geht es zurück bis in die Zeit der Völkerwanderung. Ein historischer Kern der Sage ist die Zerschlagung des Burgundenreiches um 436.
 

Die Burgunden ursprünglich an der Oder beheimatet, kamen im Zuge der Völkerwanderung in das Rhein-Donau Gebiet. Auch von dort wurden sie vertrieben. Unter ihrem König Gundahar (Auch als Gundihar oder Guntiar überliefert) wurden sie 407 durch Vertrag mit dem römischen Usapator Konstantin in der Provinz I in den Gebieten um Worms, Mainz und Alzey angesiedelt. Aber die Burgunden waren den Römern gegenüber nicht loyal, was dazu führte, das der Römische Herrmeister Aetius mit Hilfe hunnischer Truppen das Burgundenreich vernichtete. Weitere historische Ereignisse, die hier vermutlich eine Rolle spielen, sind der Streit im Haus der Merowinger zwischen Brunichild und Fredegunde sowie die Hochzeit zwischen Attila und der germanischen Fürstentochter Ildikó. Das Geschlecht der Merowinger stellte zur damaligen Zeit die Herrscherdynastien der Franken.
 

Nun ist uns nur das Nibelungenepos aus dem 13. Jahrhundert bekannt. Die Sage ist aber auch außerhalb des deutschen Sprachraums in unterschiedlichsten Dichtungen nachzuweisen:
Atlilied, Edda, Dietrichsage (Thidrekssaga), Siegfriedlied, Völsunga-Saga und Sigurdlied.
 

Ritter-Schaumburg hat es sich zur „Lebensaufgabe“ gemacht aus den Lichtgestalten der Sage und des Mythos die waren geschichtlichen Zusammenhänge heraus zu kristallisieren. Bei seinen umfangreichen Forschungen stieß er auf eine nordische Fassung, die Thidrekssaga. Diese hebt sich von allen anderen in Deutschland und Skandinavien verbreiteten Sagen ab.
 

In ihr wird, einer Chronik gleich, sorgsam und sachlich berichtet. Aber man verstand viele ihrer Aussagen nicht. Am undurchsichtigsten erschien folgende Stelle: „Die Nibelungen zogen nun immer ihres Wegs, bis sie  an den Rhein kamen, da wo Duna und Rin zusammenfallen“. Unter Duna verstand man Donau, da Donau und Rhein aber bekanntlich nicht zusammenfließen, wurde diese Stelle für sinnlos empfunden. Das war sie aber nicht.
 

Bei Dune handelt es sich nicht um die Donau im Süden, sondern um die Dhün, bei Leverkusen im Norden, die früher „Dune“ hieß und in den Rhein mündet. Und so folgte Irrtum auf Irrtum, der von Ritter-Schaumburg aufgeklärt und richtig gestellt wurde. Die Thidrekssaga scheint ein sehr hohes Alter aufzuweisen. Sie scheint auf jeden Fall vor der Zeit Karls des Großen geschrieben worden zu sein, da sie auf einen Namensbestand verweist, der in späteren Jahrhunderten nicht mehr vorhanden war. Der Text der Thidrekssaga ist im Norden bewahrt worden, auch existieren Handabschriften. Dei älteste Handschrift, als „Membrane“ bezeichnet liegt in der Königlichen Bibliothek in Stockholm. Nun gibt es neben diesen Fassungen noch eine verwandte altnordisch-isländische Handschrift, Svava genannt. Sie hat denselben Inhalt, der aber kürzer, sachlicher, prägnanter und ursprünglicher ist. Auf die Erzählung der Svava möcht ich hier nicht näher eingehen, die kann jeder Interessierte bei Ritter-Schaumburg nachlesen.
 

Nun kommen wir nach einem hoffentlich nicht langatmigen Vorspann zum Kern. Was haben die Nibelungen und seine Hauptakteure mit der Harzregion zu tun?  Über die Geburt des Helden Sigfrid, sein Aufwachsen sowie über die Kindheit von Brünhild wird im Nibelungenlied nicht berichtet. Aber in der Svava!
 

Da war der Schmied „Mime“, der ein verlorenes Kind (Königskind) fand und es aufnahm. Mime war ein berühmter Schmied der für Könige und Fürsten aus nah und fern schmiedete.
Und da war der „Drache“ mit Namen Regen, der Mimes Bruder war.
Mime wurde der Kraft Sigfrids nicht mehr Herr und beschloss ihn töten zu lassen ohne dabei selbst in Verdacht zu geraten.
 

Von Regen sagt die Svava:
„Mime hatte einen Bruder, der Regen hieß. Er war beides, groß und übel. Deshalb benahm er sich schlimm; denn er war so sehr ein Gaugler: Zuletzt ward er ein Wurm, der schlimmste, den es geben konnte. Er tötete jeden Menschen, den er sieht, nur nicht den eigenen Bruder. Dem tat er nichts. Keiner wußte auch, wo er lag, außer Mime, seinem Bruder.“
 

Wenn nun Regen Mimes Bruder war und sich auf Raub und Mord spezialisiert hatte und nur Mime wußte, das Regen auf einem Felsen lag, dem er den Gleichen Namen gab, kommt man auf .....................
 

Aber Regen konnte den furchtlosen und starken Sigfrid nicht besiegen. Er wurde selbst getötet!
Sigfrids folgende  Unverletzbarkeit  ist natürlich nur eine Mähr!
 

Es ist überliefert, dass das Geschlecht der Merowinger an einer seltenen Krankheit gelitten haben muß, die damals als „Eberschwarte“ und heute als  Ichthyosis bezeichnet wird. War die angebliche unverletzliche Hornhaut Sigfrids, nach dem Bad im Wurmblut, eine Schutzbehauptung zur Verschleierung der Krankheit?
 

Zur Geschichte Sigfrids gehört untrennbar die von Bünhild. Die Svava sagt zu Brünhild folgendes: „Vor dem Nordgebirge liegt ein Schloß, das Seegard heißt, das besaß die reiche Brünhild, die schöne und weise... Sie war eine mächtige Jungfrau. Ihr Vater und ihre Mutter waren tot. In einem Wald ganz nah dabei besaß sie ein großes Gehöft, darauf wirtschaftete ein Mann, der Studder hieß. Er war ein starker Mann. Dort hatte er sein Gestüt in demselben Walde. Dort zog man die besten Rosse auf, die waren alle grau und schwarz."
 

Nach Ritter-Schaumburg werden wir nun versuchen uns Klarheit darüber zu verschaffen, in welchem Raum die Thidrekssaga die Ereignisse ansiedelt, wo Sigfrid und Brünhild zu Hause waren. Nach dem Nibelungenlied ist Sigfrid mit dem Niederrhein verbunden. Das in der Thidrekssaga benannte Tarlungaland war aber dort nicht zu finden. Darum hat man daraus ein Karlungaland gemacht um es den Franken (Karl d. G.) etwas näher zu bringen?
 

Tarlun-ga-land  hat einen Gaunamen wie viele Gaue der karolingischen Zeit. Es könnte der Darlin-ga sein (der Wandel von u zu i ist dabei sprachwissenschaftlich ohne Bedeutung).
 

Der Darlin-ga war aber ein Gau am Harz, der im Westen durch die Oker, im Osten von Drümmlimg und Lappwald, im Süden vom Großen Bruch und im Norden vom Bardengau (Bertan-ga) begrenzt wurde. In diesem Gau lagen die ältesten bekannten Orte dieser Region, Schöningen und Schöppenstedt, später kamen Wolfenbüttel, Braunschweig und Wolfsburg dazu. Nach Süden wurde der Darlin-ga zu dieser Zeit vom Schwabengau begrenzt. Es wird von einem großen, menschenleeren Svavawald gesprochen – ist das der Harz?
 

Die Svava sagt weiter: "...vor dem Nordgebirge liegt ein Schloss, das Seegard heißt."
Versucht man nun über die Bestimmungssilbe See- eine Ortsbestimmung vorzunehmen, scheint diese zum Scheitern bestimmt zu sein. Rund um den Harz gibt es Orte die mir der Silbe See- beginnen. Aber einen See gibt es nicht. Betrachten wir die Svava Aussage „vor dem Nordgebirge-" oder „nahe dem Nordgebirge liegt eine Burg“, so finden wir nur eine Burg die diese Beschreibung verdient – die Heimburg.
 

Auch zu Brünhilds, der Burg nahegelegenem Gestüt; lassen sich Ableitungen treffen die zum Nachdenken anregen. Ist doch bekannt, dass im Kloster Michaelstein bzw. im zugehörigen Gutshof im Mittelalter Pferdezucht betrieben wurde. Warum nicht auch schon früher?
Schon Tacitus berichtet in „Germania Kap.27 „ von der Zucht von weißschimmernden Pferden in Hainen und Wäldern. Auch von der Heimburg lassen sich einige Namen  aus der Svava ableiten: „Heim der Kleine“, Heim der Hochmütige“ und „Heim der Grimme“.
 

Auch der nahe gelegene Ort Minsleben, als sehr alte Siedlung bekannt, kann mit seinem Namen auf den Schmied verweisen. Auch das Wasser der Holtemme kommt einem Schmiedestandort entgegen. In der unmittelbaren Umgebung von Minsleben wurden auch zahlreiche Eisenschlackefunde gemacht, die auf eine sehr frühe Eisenverarbeitung hinweisen. Angeblich soll auch ein Rennofen gefunden worden sein.
 

Kommen wir nun zum Drachen – Lindwurm – oder wie in der Svava zum Bösewicht und des Schmieds Mimes Bruder – Regen. Unweit der Heimburg und unweit von Minsleben, in ca.10 km Luftlinie entfernt, liegt ein großer Sandsteinfelsen, der Regen-Stein.
Viele Dutzend Erklärungen für diesen Namen „Regenstein“ gibt es. Keiner davon ist wirklich schlüssig. Erwiesen ist, das dieser Felsen seit Urzeiten von Menschen als Kultplatz genutzt wurde. Und hat der Namen nicht eine frappierende Ähnlichkeit mit dem Namen des Bösewichts der Svava – "Regen". Ist dies alles nur purer Zufall? Die Zufälle gehen weiter!
 

5 km von Minsleben entfernt gab es einmal einen heute wüsten Ort mit Namen Sigefrideshuson .Es verbleibt eine weitere wichtige Frage, die nach dem Namen der Burg Seegard. Sieht man sich die kartographischen Aufzeichnungen von heute und aus vergangenen Jahrhunderten an, kommt man zu folgenden Schluss: Der Goldbach fließt durch dieses Gebiet. Er durchfließt zwei größere Mulden, der natürliche Abfluss war sehr klein. Somit könnten dort einmal 2 größere Seen existiert haben, die nur verlandet sind weil der Mensch den Abfluss verbreiterte. Das könnte den Namen Seegard erklären.
 

Und selbst der Name Brünhild fehlt in der Überlieferung nicht. Die Roßtrappensage lautet: "Auf einem Kriegszug kam der wilde Böhmenkönig Bodo hierher und entflammte in unerwiderter Liebe zur Tochter des Riesenfürsten Brunihidis. ......"
Auch die in der Saga benannten Orte Drachenkopf und Drachenloch sind in der unmittelbaren Umgebung in alten Karten verzeichnet und auch heute noch auffindbar.
 

Verschaffen wir uns einen kurzen Überblick:
Es finden sich in dieser  Gegend viele Örtlichkeiten zusammen, die mit der Thidrekssaga und seiner Brünhild-Sigfrid-Überlieferung in Beziehung gesetzt werden können.
Alle in der Sage genannten Orte liegen, im nördlichen Harzvorland, dicht zusammen.
 

Der Darlingau, der Schwabengau, das Gebirge( Svavawald) – die Heimburg, das 7 km entfernte Minsleben, der Regenstein, das Drachenloch und der Drachenkopf – alles liegt in einem Umkreis von 10 km.
Soll dass alles Zufall sein ?
Dr. Ritter – Schaumburg ist seit 10 Jahren tot. Aber der Schleier der Unwissenheit hat sich bis heute nicht gelüftet.
Gefunden auf der Seite:
http://www.harzgeschichte.harz-urlaub.de/inhalt/voelkerwanderung-im-harzgebiet.htm
 
   
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